Magenkrebs (Magenkarzinom)

Grundlagen und Epidemiologie

Magenkrebs stellt eine bösartige Neubildung dar die von der Schleimhaut des Magens ausgeht. Meistens sind die magensaftbildenden Drüsenzellen betroffen was zur Ausbildung von Adenokarzinomen führt.
Die Anzahl neuer Erkrankungsfälle des Magenkarzinoms ist in den letzten 50 Jahren in den westlichen Industrienationen rückläufig, dennoch stellt es weltweit nach wie vor eine der häufigsten tumorbedingten Todesursachen dar. Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen an einem bösartigen Magentumor. Der Erkrankungsgipfel liegt für beide Geschlechter zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr.

Ursachen und Risiken

Die Ursachen für die Entstehung des Magenkarzinoms sind im Detail noch ungeklärt.
Als exogene (durch äußere Ursachen entstandene) Risikofaktoren gelten der chronische Alkohol- bzw. Nikotinkonsum, eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori, aber auch Ernährungsgewohnheiten, wie der Konsum Nitrat-haltiger geräucherter oder gesalzener Speisen.
Als endogene (im Körper entstandene) Risikofaktoren gelten adenomatöse Magenpolypen (1-2% aller polypoiden Magenschleimhautläsionen), die chronisch-atrophische Gastritis (Magenschleimhautentzündung) Typ A, der Morbus Ménétrier (Riesenfaltengastritis), Magengeschwüre, der voroperierte Magen und genetische Faktoren (Blutgruppe A, familiäre Magenkarzinome).

Beschwerdebild

Oft treten Symptome beim Magenkarzinom erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium in Form von uncharakteristischen Oberbauchbeschwerden (Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Mundgeruch, Erbrechen, Oberbauchschmerzen usw.), sowie Gewichtsverlust und Leistungsschwäche oder den Symptomen einer Magenblutung (Teerstuhl = schwarzer Stuhlgang, Bluterbrechen) auf. Chronische Blutarmut und Eisenmangel können hierbei häufig bei der Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

Diagnostisches Vorgehen

Magenspiegelung (Gastroskopie/Endosonographie)
In der Diagnostik ist die Magenspiegelung maßgeblich, in welcher eine histologische Sicherung mittels 5-10 Biopsien (Gewebeproben) erfolgen sollte. In Beschreibung und Bilddokumentation erfolgt eine genaue Einordnung der Lokalisation und Ausdehnung des Tumors.
Weiterhin kann in der gleichen Untersuchung eine Endosonographie (endoskopischer Ultraschall) durchgeführt werden. Diese liefert wichtige Aussagen über die Eindringtiefe des Tumors in die Schleimhaut und Muskulatur der Magenwand und evtl. vorliegender regionaler Lymphknotenvergrößerungen.


Oberbauchsonographie
In der Ausbreitungsdiagnostik (Staging) ist die Durchführung eines Ultraschalls des Bauches inklusive des kleinen Beckens zur Erfassung von Bauchwasser (Aszites), Metastasen (Leber, bei Frauen Krukenberg-Tumor = Eierstockmetastasen) und Infiltration in umgebende Organe notwendig.


Computertomographie
Die Computertomographie (CT) gibt genauere Auskunft über mögliche Absiedelungen des Tumors (Metastasen) in anderen Organen oder Lymphknoten. Dies kann entscheidend sein in der Wahl der Therapie.


Laparoskopie (Bauchspiegelung)
Bei Vorliegen eines fortgeschrittenen Tumorstadiums (T3/4) sollte eine diagnostische Laparoskopie durchgeführt werden, um Fernmetastasen z.B. im Bauchfell (Peritoneum), Leber oder Eierstock vor einer geplanten Chemotherapie vor Operation (neoadjuvante Therapie) auszuschließen.

Tumorstadium/ Klassifikation
Um die optimale Therapie festzulegen, muss die Ausbreitung des Tumors in Form der sogenannten TNM-Formel, die sich aus den Staging-Untersuchungen ergeben sollte, bestimmt werden. Die TNM-Klassifikation garantiert neben der exakten Bestimmung der anatomischen Ausdehnung des Tumors eine einheitliche Einteilung der verschiedenen Magenkarzinome. Hierbei wird auf drei verschiedene Komponenten eingegangen: Der Ausdehnung des Primärtumors (T), dem Fehlen oder Vorhandensein, sowie der Ausdehnung von Lymphknotenmetastasen (N), und dem Fehlen oder Vorhandensein von Fernmetastasen (M).
Weiterhin ist für die Festlegung des Therapiekonzeptes die mikroskopische Untersuchung des Tumorgewebes zur Beurteilung der Bösartigkeit vonnöten. Hierbei erfolgt eine vergleichende Beurteilung der Tumorzelle mit der ursprünglichen Organzelle (Grading, Differenzierung). In der feingeweblichen Charakterisierung werden auch bestimmte Mutationen in den Tumorzellen untersucht (z.B. HER2-Status), die Einfluss auf das Therapiekonzept haben können.

Behandlungsmöglichkeiten

Operative Therapie
Nach wie vor bietet allein die vollständige operative Entfernung des Magenkarzinoms eine Chance auf Heilung. Eine primäre Operation sollte nur unter der Zielsetzung einer kompletten (R0-)Resektion erfolgen. Es ist sinnvoll, einen Tumor des Magens vor einer Operation zuerst (radio-/) chemotherapeutisch zu behandeln, da so eine Operation bessere Ergebnisse liefern kann.
Eine Indikation für palliative Resektionen (palliativ=krankheitsmildernd, ohne das Ziel einer Heilung) wird im Einzelfall gestellt und ist in der Regel durch das Auftreten von Tumorkomplikationen (Blutung, Passagestörung) begründet.


Strahlentherapie (Radiochemotherapie)
Eine Strahlentherapie kann in Kombination mit einer Chemotherapie vor allem bei einem lokalisierten Tumor im Bereich des Übergangs von der Speiseröhre in den Magen (AEG-Tumor) vor einer Operation (neoadjuvant) durchgeführt werden. In palliativer Intention kann eine Bestrahlung im Kardiabereich bei irresektablem (nicht operablem) stenosierendem (verengendem) Tumor sinnvoll sein. Auch kann in Einzelfällen die Strahlentherapie in Kombination mit Chemotherapie bei Blutungen aus dem Tumor eingesetzt werden.


Chemotherapie
Magenkarzinome sind Tumore, die gut mit Chemotherapie behandelt werden können. Mehrere Substanzen können hier in Kombination eingesetzt werden. Die Chemotherapie kann sowohl vor (neoadjuvante Therapie) und nach (adjuvante Chemotherapie) einer möglichen Operation, als auch bei Patienten erfolgen bei denen das Therapieziel nicht die Heilung, sondern die Eindämmung der Erkrankung ist (palliative Chemotherapie).
Auch Antikörper werden in der Therapie des Magenkarzinoms eingesetzt. Vor allem in Kombination mit einer Chemotherapie kann ein VEGF-Rezeptor-Antikörper eingesetzt werden, der das Zellwachstum und die Durchblutung des Tumors unterdrücken kann. Besteht eine verstärkte Produktion (Überexpression) des Oberflächenproteins HER2 zeigen, kann die Chemotherapie mit einem HER2-Antikörper verbessert werden. Aus diesem Grund wird bei allen Magenkarzinompatienten vor Chemotherapie die Abklärung der HER2-Status empfohlen.


Therapie im Rahmen von Studien
In unserem Zentrum werden Patienten mit Magenkarzinom in verschiedenen Krankheitsstadien auch häufig im Rahmen von Studien behandelt (Link: Studiensekretariat).


Unterstützende (supportive) Therapieverfahren
Diese Therapien richten sich in erster Linie nach den Beschwerden, die uns vom Patienten mitgeteilt werden oder dienen der Vermeidung drohender Komplikationen durch den Tumor. Wichtig ist hierbei vor allem die Gewährleistung einer ausreichenden Nahrungsaufnahme/Ernährung sowohl im Rahmen der Erkrankung, als auch postoperativ nach Entfernung des Magens. Hierzu gehört auch eine Vitamin B12-Substitution (1.000 µg subcutan oder intramuskulär alle 3 Monate).
Eine bedarfsoptimierte Ernährungsberatung (Link) und Unterstützung der Ernährung, ggf. auch mit einer vorübergehenden Zusatzernährung über einen venösen Zugang (Port) im häuslichen Umfeld spielen hier eine wichtige Rolle. Gerade nach einer Magenresektion kann zur Verbesserung der Nahrungsaufnahme und Vermeiden von Fettstühlen auch der Einsatz von Pankreasenzympräparaten sinnvoll sein.
Auch die Schmerzlinderung im Rahmen der Tumorerkrankung durch Einstellung auf eine den Symptomen angepasste Schmerzmedikation fällt unter die supportive Therapie.

Krankheitsverlauf

Die Prognose von Patienten mit Magenkarzinom wird im Wesentlichen durch das Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose und das davon abhängige Resektionsausmaß bestimmt. Falls ein Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors im ehemaligen Tumorgebiet oder in Form von Metastasen) auftritt, sollte eine erneute Therapie erfolgen, wobei hier ebenfalls anhand der aktuellen Tumorausbreitung und anhand der Vortherapien eine individuelle Therapieentscheidung getroffen wird.

Sollten Sie Fragen zur Diagnostik oder Therapie von Magenkarzinomen haben, können Sie sich jederzeit telefonisch (+49 551 39 13780) oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an uns wenden. Entsprechende Spezialsprechstunden finden mittwochs und donnerstags von 08:00 bis 13:00 Uhr statt. Eine Terminanfrage für diese Sprechstunden kann online oder telefonisch unter 0551 39 66069 (Nuklearmedizin) oder 0551 39 13780 (Gastroenterologie und gastrointestinale Onkologie, Ort der Sprechstunde: Leitstelle Innere Medizin, Ebene 3, Aufzug B3) erfolgen.

Ansprechpartner

Dr. med. A. König

Oberarzt
Bereichsleiter Onkologie

Sekretariat Onkologie und Bettenmanagement

Frau C. Lichte-Adelski

Telefon: 0551/39-63879
Telefax: 0551/39-66921

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